Bienvenidos a Tenerife

Im Herbst lockt die größte der sieben Kanareninseln mit mildem Klima plus Sonnenschein. Ob klettern, wandern oder biken, das Urlauber-Paradies Teneriffa bietet abseits des Massentourismus nahezu einsame Naturerlebnisse. Gewusst wo!

Der 2718 m hohe Guajara ist eine Wanderalternative zum vielbesuchten Teide
Wanderung zum Guajara – Der Rückweg führt über eine lose Schotterpiste.

„Den 3.718 Meter hohen Pico del Teide, den höchsten Berg Spaniens, muss man gesehen haben!“, sind wir überzeugt, als wir unsere Reise nach Teneriffa planen. Doch wer sagt denn, dass man ihn auch gleich begehen muss? Dank Carlos – einem waschechten Tinerfeño – und Juliane – einer deutschen Wahltinerfeña – wählen wir eine einsamere Bergwanderalternative: den 2.718 Meter hohen Montaña de Guajara.

Der nach einer unglücklich verliebten Guanchenprinzessin benannte, dritthöchste Berg Teneriffas bildet gleichzeitig den höchsten Berg der Caldera, des Kraterkessels. Dementsprechend bietet das Hochplateau des Guajara bei klarer Wetterlage eine beeindruckende Rundumsicht auf den Pico Teide und Pico Viejo, die vier Kanareninseln El Hierro, La Gomera, La Palma und Gran Canaria sowie auf Las Cañadas, den ältesten Vulkankrater der Insel mit rekordverdächtigen 17 Kilometern Durchmesser.

Auf Teneriffa gibt es an die 30 endemische Pflanzenarten.
Der endemische Echium Wildpretii – auch Natternkopf genannt – blüht von Juni bis August in den Cañadas des Teide.

Im ersten Moment erinnert die Umgebung des Parque Nacional del Teide an eine karge, aber farbenfrohe Mondlandschaft. Ihre bizarren Felsformationen aus Basalt- und Bimsstein, Geröll- und Schlackenhalden schimmern – dank eingelagerter Mineralien und deren Verwitterungsprodukten – von Jadegrün über Rotbraun bis Schwarz. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich zudem bis zu dreißig endemische Pflanzenarten. Am bekanntesten davon ist die Tajinaste, Wildprets Natternkopf, die nur im Mai und Juni ihre rote oder blaue Blütenpracht zeigt.

Per Bike unterwegs

Die kanarische Kiefer hat an den Kurztrieben drei lange Nadeln, mit denen sie durchziehende Nebelschwaden „durchkämmt“ und so zusätzlichen Niederschlag durch Kondenswasser erzeugt.
Natur pur: Die Mountainbikeroute bei Villa Flor bietet viele Varianten.

Ein paar Tage später, während unserer Radltour mit Bike-Guide Toni, kommen wir an einem knapp 50 Quadratmeter großen, wilden Tajinaste-Feld vorbei. Toni weist uns auf die außerhalb ihrer Blütezeit stehenden, fast unscheinbaren Pflanzen hin und klärt uns über eine weitere botanische Besonderheit der Insel auf: Die kanarische Kiefer hat an den Kurztrieben drei lange Nadeln, mit denen sie durchziehende Nebelschwaden „durchkämmt“ und so zusätzlichen Niederschlag durch Kondenswasser erzeugt. Außerdem ist diese Kiefer so zäh, dass sie nach einem Waldbrand durchaus wieder austreibt. Vielleicht liegt es aber auch am unerbittlichen Vulkangestein, dass die Kanarenkiefer einen so  starken  Lebenswillen   hat?

Kletterparadies bei Arico

Beim Klettern rund um Arico staunen wir jedenfalls über die unzähligen Wände eruptiven Ursprungs, die noch erobert werden möchten. Die ganze Insel bietet ein Felsen-Paradies, das noch lange nicht zur Gänze erschlossen ist.

Eric erschließt die eine neue Kletterroute im Sector Super Zero bei El Rio.

Begeistert nehmen wir die Chance wahr, bei einer Routenerschließung dabei zu sein. Erik, unser ecuadorianischer Kletterführer, hat dafür Sector Super Zero bei El Rio ausgesucht. Geduldig unterstützt er mich zunächst, bis ich in der 30 Meter hohen Wand meine Fotoposition eingenommen habe. Dann geht der Profi mit Bohrmaschine, Hammer, Bohrhaken und Schlingen ausgerüstet ans Werk. Im jungfräulichen Fels entscheidet sich Erik zielsicher für die erste Hakenposition. Nun wird geputzt, gebohrt, geharzt und gehämmert. Schon sitzt der erste Routenfixpunkt. Oben angekommen hat Erik auch schon einen Namen für sein Meisterstück: „Falsos Retos“ – die trügerische Herausforderung. Wieder zurück auf dem Boden beobachte ich, wie Pablo seine Klemmkeile in die Route „Abuso de confianza“ – den Vertrauensbruch – einbringt. Welch passender Namen für diese schwierigen Felsen!

Das El Dorado für Wassersport

Kiten bei über 30 Knoten mit Böen über 40 kn ist eine echte Herausforderung. Foto: Ideenschmiede Berg, Petra Thaller

Teneriffa bietet nicht nur Bergfreunden unvergessliche Abenteuer: Die Insel ist für ihre hervorragenden Kitebedingungen bekannt. Dass es aber gleich mit über 30 Knoten hackt, wenn ich mal aufs Wasser möchte, ist wirklich nicht nett. Frustriert schaue ich mir meinen 6er Kite an und plane ein neues Tagesprogramm. Doch Stationsleiter Björn von der Kitschule El Médano hat glücklicherweise einen rettenden Tipp parat: „Verlänger deine Steuerleinen und du hast deinen Schirm wieder locker unter Kontrolle – und das, ohne den Adjuster zu nutzen. Den brauchst du noch, falls der Wind zulegt“, warnt er mich. Gesagt getan. Und siehe da: Ich erlebe den besten Kitetag meines Lebens.

Abends kreisen meine Gedanken. Ist dieses Fleckchen Erde wirklich nur eine Urlaubsinsel? Hier gibt es so viele Möglichkeiten. Kein Wunder, dass so viele Ausländer hier wohnen. Nun gut, aussteigen werde ich nicht, aber ich komme wieder – keine Frage!

Info:

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt, T. 0049/(0)69/72 50-33, www.webtenerife.de

Tenerife Outdoor, Avda. Mencey de Abona 49 bajo, 38600 Granadilla, T. 0034/(0)922/77 09 66, www.tenerifeoutdoor.com

Klein und Fein

Wer Urlaub in familiärer Atmosphäre bevorzugt, ist in einer Finca perfekt untergebracht. Frisch renoviert, gemütlich und mit viel Liebe – und selbstverständlich allem Komfort – ausgestattet ist z.B. die Finca Lisa in Arico.

Klein und fein: die Finca Lisa in Arico.

Auf dem etwa 4.000 Quadratmeter großen Grundstück befindet sich ein Ferienhaus für bis zu 4 Personen sowie das Wohnhaus der Gastgeber mit zwei Appartements für jeweils 1-2 Personen und einem bis zu 4 Personen. Ein kleiner Sole-Pool und ein gemeinsamer Grillplatz sorgen für persönliches Ambiente. Die Vermieter Karin und Pippo sprechen deutsch, italienisch, spanisch und englisch.

Arico ist der perfekte Ausgangspunkt für zahlreiche Boulder- und Kletterpartien. Preis: ab 30,00 € / Tag Finca Lisa, Calle El Fronton 42, La Sabinita, 38589 Arico, T. 0034/(0)676/47 36 99, www.finca-lisa.com

Biken

Für Biker hat die Kanareninsel Teneriffa dank ihres milden Klimas und dem 3.718 Meter hohen Teide das ganze Jahr über jede Menge Spaß zu bieten. Die meisten Radler tummeln sich – nicht zu Unrecht – im grünen Norden der Insel. Doch wir haben uns ganz bewusst im Süden umgeschaut. Radeln auf der Insel hat einfach überall seinen Reiz. Wer kein eigenes Bike dabei hat, der findet beim Bike Point in El Médano eine gute Auswahl. Die Radspezialisten bieten zudem einen Lieferservice sowie auch geführte Touren an.

Bike Point El Médano, Calle Villa de la Orotava 10, 38612 El Médano, T. 0034/922/17 62 73, www.bikepointtenerife.com

Kartenempfehlung: Freytag und Berndt; Auto & Freizeit- karte; 1:50.000 2012; Preis: 7,95 €

Tourentipp

kleine/große Vilaflorrunde

Schwierigkeitsgrad: leicht/mittel, Dauer: 2 h (kleine Runde), 4 h (große Runde), Starthöhe: 1.600 m, 300 Hm (kleine Runde) 900 Hm, Distanz: 20 km (kleine Runde), 40 km (große Runde)

Beschreibung: Gestartet wird auf einem der freien Parkplätze 2 Kilometer oberhalb von Vilaflor. Markierun- gen weisen den Weg. Die Route führt größtenteils über eine breite Forststraße. Besonders reizvoll: der Blick auf den Teide sowie auf die benachbarte Kanareninsel Gran Canaria.

Ebenfalls zu empfehlen sind die höchst anspruchsvolle Route „La Escalona – Vilaflor – La Escalona“ oder der fast unendlich scheinende Downhill Teide – El Médano. Genauere Beschreibung unter www.allmountain.de

Klettern

Bei Arico gibt es für jedes Kletterniveau die passende Route. Foto: Petra Thaller, Ideenschmiede Berg

Dank ihres vulkanischen Ursprungs bietet Teneriffa auf fast der gesamten Insel perfekte Kletterbedingungen. Hier hat der Vertikalsportler die Qual der Wahl! Wir haben uns auf das Kletter-Eldorado rund um Arico mit seinen über 230 Routen sowie die unentdeckten Felsen von Sector Super Zero konzentriert.

Unser Tipp: Bouldern und Einklettern in Arico Arriba – hier ist für jede Könnensstufe eine Route zu finden. Das in Fußnähe gelegene Arico Abajo weist nicht nur höhere Felsen, sondern auch jede Menge Überhänge auf. Auffällig am Gestein in beiden Gebieten sind die vielen Fingerlöcher

Wandern

Ob hochalpines Gelände rund um den Teide Nationalpark, wildromantische Wanderwege im Anagagebirge oder auf den Spuren der Guanchen: Teneriffa bietet vom Herbst bis zum späten Frühling abwechslungsreiche Wanderbedingungen mit allen Schwierigkeitsgraden. Dank unterschied- licher Klimazonen und Landschaften hat jedes Gebiet dieser faszinierenden Vulkaninsel seinen eigenen Reiz.

Wanderjule und Carlos verraten uns die besten Wandertipps auf Teneriffa.

Gefragt sind Ausdauer, richtige Ausrüstung und Motivation. Leider gibt es keine ausführlichen Wanderkarten, doch hängen in jeder Gemeinde Übersichtskarten des jeweiligen Gebietes aus. Wege sind in der Regel durch entsprechende Markierungen nach europäischem Standard und auch durch die landestypischen Steinmännchen gekennzeichnet. Im Winter sollte übrigens in höheren Lagen mit Schnee gerechnet werden. Wer mit fachgerechter Unterstützung Historie, Flora und Fauna von Teneriffa vertiefen und gleichzeitig abseits der bekannten Touren wandern möchte, dem sei ein lokaler Wanderführer empfohlen.

Nähere Infos gibt es unter Wanderjule & A Caminar Tenerife, Juliane Heßbrügge & Sylvia Nockemann, Avda Mencey de Abona 49 bajo, 38600 Granadilla, 0034/(0)600/56 26 23, www.a-caminar.com

Einen Überblick über Teneriffa bietet die Kompass-Karte „Teneriffa“, 1:50.000, Kostenpunkt: 8,95 €. An die 70 schöne Wandertouren inkl. GPS-Tracks finden sich im Rother Wanderführer „Teneriffa“; Wolfsperger, Klaus und Miehle-Wolfsperger, Annette; 1:50.000; 11. Aufl. 2012; Kostenpunkt: 14,90 €; enthalten.

Wandertipp

Hotel Parador – Guajara

Starthöhe: ca. 2.150 m, 650 Hm, Dauer insgesamt: 4,5 h, Schwierigkeitsgrad: mittel

Beschreibung: Anfahrt mit dem Auto über die TF21 bis zum Hotel Parador im Teide Nationalpark. Hier gibt es Parkmöglichkeiten. Alternativ fahren die Buslinien 342 und 348 bis zum Startpunkt der Wanderung am kleinen Kreisverkehr. Von da geht´s in südlicher Richtung über ein Lavafeld direkt auf den Guajara zu. Grüne Markierungen weisen den Weg über Lavafelder, durch einen Bimssteinsattel bis zu den Serpentinen und schließlich auf den etwas steileren Grat – der auch ein paar leichte Klettereinlagen über Felsblöcke fordert – bis auf das Hochplateau des Guajara. Oben angekommen lädt ein kleiner Schutzwall zum Picknick ein. Der Abstieg erfolgt in Richtung Osten. Dabei an Wegkreuzungen immer links halten. Sobald der Fahrweg No 4 erreicht ist, geht es noch ca. 4 Kilometer Richtung Parkplatz. Interessante Wan- derung, die einen faszinierenden Rundumblick bietet. Diese Tour erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Im Süden der Insel gibt es zahlreiche schöne Wanderungen, zum Beispiel durch den Barranco Tamadaya, der für die Wasserversorgung Aricos von Bedeutung ist, oder Rund um den Roque Imoque.

Bunte bemalte Fischerboote – wie hier in El Medano – prägen das Landschaftsbild an Teneriffas Straßenkreuzungen.

Dieser Artikel erschien in der Allmountain 5/2012.

 

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