Archiv der Kategorie: – Umwelt –

Recycling in der Outdoorbranche

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Wer in einen Altkleidercontainer von Pyua ausgediente Bekleidung wirft, darf sich sicher sein, dass diese recycelt wird. @ Pyua

Eine Outdoorjacke, die schon mal als PET-Flasche auf dem Berg war, eine industriell kompostierbare Schuhsohle und ein Orden für Umweltschutz von der Queen? – Die Branche denkt um. Weil sie muss!

„Es wird schwierig sein, Polyester-Kunststoffe zu ersetzen, denn die Vorteile überwiegen: Sie sind leicht, bruchsicher und vielseitig einsetzbar,“ erklärt Norbert Völl, Pressesprecher vom Grünen
Punkt. „Aber, sie sind schwer abbaubar. Deshalb ist es umso wichtiger, sie nach Verwendung sortenrein zu sortieren und zu recyceln.“ Oft spricht man auch vom downcyceln, da der vertretbare Aufwand im Aufbereitungsverfahren die Qualität wiederverwerteter Kunststoffe herab setzt. Nichtsdestotrotz können sich die Ergebnisse sehen lassen. So wird zum Beispiel aus alten PET-Flaschen entweder wieder eine Kunststoffflasche oder eben eine Outdoorjacke. Und obwohl Transportwege, Sortiermaschinen und Granulaterstellung aus gebrauchten Kunststoffen aufwendig sind, schneiden sie im CO2-Vergleich zur Produktion von neuem Granulat viel besser ab.

35 PET-Flaschen für eine Jacke

Der Bergsportspezialist Patagonia gehört zu den ersten Outdoorherstellern, die 1993 zusammen mit Textilproduzent Polartec Fleecejacken aus recycelten Misch-Polyester produzierten. Heute werden vor allem PET-Flaschen verarbeitet. Eine Herrenjacke in Größe L besteht beispielsweise aus circa 35 Plastik-Flaschen. Zur Wiederverwertung werden die Flaschen zunächst gespült, geshreddert, eingeschmolzen und dann zu feinen Fasern gesponnen. Diese wiederum werden verdichtet, zu Stoffen gewirkt und eingefärbt. Mittlerweile bieten zahlreiche Outdoormarken wie Fjäll Raven, Norrøna, RAB, The North Face, Vaude uvm. unterschiedlichste Produkte aus downgecyceltem Kunststoff an. Und: Ausgediente Funktionskleidung wird – sofern es keine Mischgewebe sind – der Wiederverwertung zurückgeführt.

Pfand und Kompostierung bei Outdoorprodukten

Besonders innovativ ist dabei das schwedische Unternehmen Klättermusen: Unter dem Recover-Label repariert es ausgediente Produkte, um sie in einem zweiten Lebenszyklus zurück auf den Markt zu bringen. Ist nichts mehr zu machen, haben die Waren Pfandlabel mit Werten von ein bis zwanzig Euro. Wer die Kennzeichnung in eine Verkaufsstelle des Herstellers bringt, erhält einen Gutschein für den Betrag. So wird dem Kunden auch bei ausrangierten Produkten der Wert eines Stückes plakativ bewusst.

Schuhhersteller Hanwag bietet mit der Composole eine – bei industrieller Kompostierung auf 70 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit – 100-prozentig abbaubare Schuhsohle für Berg- und Trekking-Schuhe an. Doch keine Sorge: Während des Outdooreinsatzes zeigt sie sich robust und widerstandsfähig.

Auch Abfälle und Restmaterialien aus Skiern sind zur Düngung zu gebrauchen: Amer Wintersports lässt sie in einem speziellen Verfahren zerkleinern und daraus Karbid gewinnen. Dies ist wiederum Grundstoff zur Düngemittelherstellung.

4th Queens Award für Nikwax

Vorbild in punkto Umweltschutz ist das britische Unternehmen Nikwax. Grund genug für die Queen, dem Hersteller für PFC-freie, wasserdichte Ausrüstung Ende April den 4th Queens Award zu verleihen. Diese Auszeichnung ist die höchste britische Ehrung für unternehmerischen Erfolg. „Wir müssen innehalten und über den Kraftstoff, den wir auf dem Weg zu unserem Spaziergang verbrauchen, nachzudenken; ebenso auch über die Energie und Rohstoffe, die zur Herstellung unserer schützenden Kleidung genutzt werden. Es könnte nämlich sein, dass wir unsere geliebten Berge zerstören,“ erklärte Nick Brown, Gründer von Nikwax, die umsichtige Motivation seines Unternehmens. „Das Auffrischen der Wasserdichtigkeit von Outdoorbekleidung bedeutet Nachhaltigkeit, denn so wird weniger Energie und Geld benötigt, als wenn das Equipment mit Neuem ersetzt wird. Und all das zählt für uns.“

Rab
Recycling in der Outdoorbranche @Rab

Der Plasma Hoodie von Rab besteht im Obermaterial wie auch in der Füllung zu 100 Prozent aus recyceltem Polyester. Sogar Reißverschlussbänder und Garne wurden aus recycelten Komponenten hergestellt. Kordelstopper und Reißverschlusszähne kommen aus Bluesign-zertifizierter Quelle. (Foto: Rab)

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Recycling in der Outdoorbranche @Polartec

 

Im Jahre 2013 verarbeitete Polartec 658.000.000 Millionen Plastikflaschen zu Polartec Funktionsstoffen. 60 Prozent aller Stoffkategorien von Polartec bestanden im Jahre 2013 aus recyceltem Material.

 

Recycling in der Outdoorbranche - Polartec production facility and mill in Lawrence, MA.
Recyeltes Material von Polartec @Polartec

4-hanwag_composole_13 - Recycling in der OutdoorbrancheDie recycelbare Compo-Sohle gibt es derzeit bei drei Schuhmodellen von Hanwag. Selbstverständlich ist der gesamte Schuh nachhaltig konzipiert: Das Oberleder stammt aus zertifizierter Landwirtschaft und wird – wie auch das Futterleder – chromfrei gegerbt. Das Fußbett besteht aus Kork. (Foto: Hanwag)

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Die Weichmacher in den Gummistiefeln von Kamik basieren statt auf Erdöl auf abbaubaren pflanzlichen Ölen. Das Innenfutter ist aus recyceltem Polyester und der komplette Schuh kann nach Gebrauch zum Recyceln wieder eingesandt werden. (Foto: Kamik)

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Auch das gehört zum Recycling: Beim britischen Outdoorhersteller Nikwax wurden in 2013 71 Prozent des innerhalb der Produktionsstätte anfallenden Mülls recycelt. Ziel für 2014 ist die 80-Prozent Hürde zu erreichen. (Bild: Nikwax)

Recycling in der OutdoorbrancheMembranhersteller Gore stellte vor 20 Jahren Sammelcontainer im Handel auf, um bei Goretex-Jacken Textil und Membran zu trennen. Doch aufgrund mangelndem Interesse seitens der Kunden wurde das sogenannte Gore Balance Projekt wieder eingestellt. Heute konzentriert sich das Unternehmen darauf, einerseits Produktion, Beschaffung und Transport möglichst nachhaltig zu gestalten bzw. durch Pflegeanleitungen die Lebensdauer seiner Produkte zu verlängern. Denn auch ein langer Produktlebenszyklus sorgt für weniger Müll. Foto: Goretex

Infokasten

Der Rohstoff für die meist aus Polyester bestehenden, synthetischen Textilien ist Erdöl. Doch irgendwann ist Schluss! Laut aktuellen Prognosen wird das Ölfördermaximum spätestens im Jahre 2030, wenn nicht sogar schon viel eher, erreicht sein. Noch viel erschreckender in Zusammenhang mit Kunststoff ist jedoch die Erkenntnis, dass mit dem derzeit existierenden Plastikmüll die Erde erstens mittlerweile sechsmal umwickelt werden könnte und zweitens noch gar nicht bekannt ist, wie viel von den zum Teil giftigen Abfällen in unsere Nahrungskette gelangen. Grund genug also, die weitere Produktion weitgehend zu vermeiden und vorhandenes Plastik sortenrein zu trennen und zu re- bzw. downcyceln. Während es in den meisten Gebieten Deutschlands den gelben Sack gibt, in dem der gesamte Plastikmüll entsorgt werden kann, bestehen einige deutsche Gemeinden und Landkreise schon vorab auf sortenreine Sortierung von Mischkunststoffen, Plastikflaschen bis 1 Liter, Kunststoffbechern, Tetra Paks und großen Verpackungsfolien. Der Aufwand lohnt auf jeden Fall!

8-boote - Recycling in der OutdoorbrancheWerner Boote, Filmregisseur und Autor, u. a. vom Kinodokumentarfilm Plastic Planet (2009), über die Gefahren synthetischer Kunststoffe in ihren verschiedensten Formen und ihrer weltweiten Verbreitung (Foto: Werner Boote)

„Für den Film „Plastic Planet“ hat sich das gesamte Team des Films einem Bluttest unterzogen. Wir wollten wissen, inwieweit das Plastik in unserer alltäglichen Umgebung auch direkt Einzug in unsere Körper gehalten hat und damit unsere Gesundheit beeinträchtigt. Mit einem erstaunlichen Ergebnis: Jeder von uns hatte Substanzen wie Bisphenol A, Phtalate und Flammschutzmittel im Blutplasma. Diese besorgniserregenden Substanzen treten aus Kunststoffen aus und werden für Krebserkrankungen, Herzerkrankungen, Allergien und Unfruchtbarkeit verantwortlich gemacht. Eineinhalb Jahre später ließ ich mein Blutplasma erneut testen und es stellte sich heraus, dass ich aufgrund bewussten Konsums das Plastik in meinem Körper deutlichst reduziert hatte. Man kann also der Gesundheit durch gezielten Konsum etwas Gutes tun. Produkte, die mit unserer Haut in Berührung kommen, sollten generell nicht mit besorgniserregende Substanzen hergestellt werden, weil diese Chemikalien sogar durch die Haut in unser Hormonhaushalt eindringen.“

9-norbert_voell - Recycling in der OutdoorbrancheNorbert Völl, Pressesprecher vom Grünen Punkt, zur Frage, wie es sein kann, dass trotz Sortiermaschinen, mehrfachen Transportwegen und aufwändiger Verarbeitung recycelte Kunststoffe eine bessere CO2-Bilanz haben als neu hergestellte Kunststoffe (Foto: Der Grüne Punkt): „Die Umweltbilanz eines möglichen Fahrtweges zu Verarbeitungsstätten fallen weniger ins Gewicht, als man allgemeinhin vermutet. Zum einen würden Containerschiffe, die Neuwaren aus Asien nach Europa bringen, sonst leer gen Heimat zurück fahren und außerdem werden immer mehr Flakes in Europa produziert, denn der asiatische Markt setzt mittlerweile selbst auf recyceltes Polyester.“

12-pyua_timo_perschke - Recycling in der OutdoorbrancheTimo Perschke, Geschäftsführer des umweltfreundlichen Outdoorlabels Pyua, bietet ganz bewusst ausschließlich recycelte und recycelbare Produkte an (Foto: Pyua):

„Pyua-Produkte sind zu 100 Prozent aus recyceltem Material. Wir haben mit der Textil Recycling K. & A. Wenkhaus GmbH und der FWS GmbH ein weltweit einmaliges System erarbeitet. Dafür werden Inhalte der Altkleidercontainer in sorgfältiger Handarbeit sortiert und zur Wiederverwertung zu neuen Produkten zugeführt. Was nicht mehr zu Garnen verarbeitet werden kann, landet z. B. im Straßenbau. Stolz sind wir zudem auf die eigens entwickelte Laminat-Technologie Climaloop. Nicht nur der Herstellungsprozess ist zu 100 Prozent ökologisch korrekt, die Membran kann auch zu 100 Prozent recycelt werden.“

 

Text: Almut Otto Fotos: Hersteller, Video: Werner Boote

Dieser Artikel erschien in der Mountains4U 4/2014.

Nachhaltigkeit in Urlaubsgebieten

E-Bike statt Auto, Produkte aus der Region und Natur pur: Urlaubsgebiete versuchen durch kreative Ideen den neuen Ansprüchen ihrer umweltbewussten Gäste gerecht zu werden. Der Einblick in das vielfältige Angebot macht Lust auf Reisen.

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Solartankstelle vor dem Tennengebirge. Foto: Alpine Pearls

Text: Almut Otto, Fotos: divers

Alpine Perlen glänzen nicht nur durch Schönheit, sondern auch durch Nachhaltigkeit! Denn der schonende Umgang mit der Natur macht das Urlaubserlebnis in den Alpen erst perfekt. Im Jahre 2006 entstand im Zuge eines EU-Projekts die Idee zu den Alpine Pearls, einer unabhängigen Nonprofit-Organisation. Ihre mittlerweile 29 Mitglieder aus sechs Ländern stehen – von der Anreise bis zur Mobilität vor Ort – für umweltfreundlichen Urlaub.

Der Fokus liegt dabei vor allem in der Reduktion des CO2-Austoßes durch sanfte Mobilität, kurz: Samo. Dementsprechend ist der öffentliche Nahverkehr hervorragend ausgebaut, es gibt Shuttle-Taxis, Elektroautos sowie -fahrräder und sogar die altbekannte Pferdekutsche kommt wieder zum Einsatz.

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Nachhaltigkeit – Besinnung auf alte Reisemethoden. Foto: Alpine Pearls

Vorzeigeobjekt des Samo-Tourismus ist das Outdoorparadies Werfenweng ((Link: )) im Salzburger Land. Als Modellprojekt für Samo haben sich ein großer Teil seiner Gastgeber – erkennbar am bunten Schmetterling, dem Samo-Logo – zur sanften Mobilität verpflichtet. Diese fängt schon bei der Anreise an. Wer mit der Bahn kommt, darf sich auf einen umweltfreundlichen Shuttle zur Unterkunft freuen. Werfenweng bietet nämlich für alle Gäste aus Samo-Betrieben Mobilitätsgarantie auch ohne eigenes Fahrzeug, natürlich gratis! Werfenweng-Urlauber, die mit dem eigenen Auto anreisen und ihren Autoschlüssel an der Touristeninformation abgeben, können für acht Euro die Samo-Card erwerben und somit auch die sanfte Mobilität und viele weitere Gratisangebote vor Ort nutzen. Dementsprechend kann man in Werfenweng einzigartig reine Luft in intakten Lebensräumen genießen. Natur pur eben!

Sanfte Mobilität in Werfenweng. Foto: Werfenweng
Sanfte Mobilität in Werfenweng. Foto: Werfenweng

Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen

Naturparkhaus Zillertaler Alpen. Foto: Zillertal
Naturparkhaus Zillertaler Alpen. Foto: Hochgebirgs-Naturpark  Zillertaler Alpen

Dass man sich auch für die Umwelt einsetzen kann und soll, erfahren Urlauber im Hochgebirgspark-Naturpark Zillertaler Alpen: Bei an die 200 Wanderungen auf einsamen Pfaden erhalten sie erstmals die Möglichkeit sich einen Tag – für junge Menschen wird auch eine Freiwilligenprojektwoche geboten – ihres Urlaubs für die Natur bzw. Erhaltung der Almen einzusetzen. Außerdem sind von Mitte Juni bis Mitte September Ranger in der Naturparkregion unterwegs. Sie informieren die Besucher über Highlights des Schutzgebiets, das richtige Verhalten in der Natur und achten auf die Sauberkeit entlang der Wege. Als Profis in der Naturbeobachtung machen sie die Besonderheiten des Parks für die Besucher sicht- und erlebbar.

Parkranger im Einsatz. Foto: Ursula Aichner
Parkranger im Einsatz. Foto: Ursula Aichner

E-Bikes im Trend

Nicht jeder ist fit genug, die Natur mit eigener Muskelkraft zu erleben und manchmal soll die Bike-Tour auch einfach etwas länger sein: Für alle, die per E-Bike unterwegs sind, bietet der Hochkönig  ein weltweit einzigartiges E-Tankstellen-Netz aus kompatiblen Ladestationen. Während der Biker sich unterwegs auf der Alm stärkt, erhält das Bike ebenfalls wertvolle Energie zurück. Wer kein eigenes E-Bike hat, dem stehen in Maria Alm, Dienten und Mühlbach moderne Leih-Bikes zur Verfügung.

Beim Thema umweltfreundliche Urlaubsangebote darf auch der Stanglwirt in Going am Wilden Kaiser in Tirol nicht fehlen. Denn im mehrfach ausgezeichneten 5-Sterne-Bio-Hotel ist alles nachhaltig: Von der Inneneinrichtung über die Kulinarik bis hin zum Ökostrom. Diese Perfektion in punkto Umweltfreundlichkeit ist das Ergebnis einer konsequenten, über 30-jährigen Investition der Familie Hauser in die Vision Nachhaltigkeit.

Alpenhof in Brandberg. Foto: Zillertaler Alpen
Alpenhof in Brandberg. Foto: Zillertaler Alpen
Traumkulisse: Der Schwarzsee. Foto: Hermann Muigg
Traumkulisse: Der Schwarzsee. Foto: Hermann Muigg
Solaranlagen mit Blick auf das Tennengebirge. Foto: Tennengebirge
Solaranlagen mit Blick auf das Tennengebirge. Foto: Alpine Pearls

Frau Karmen Mentil, Geschäftsführerin Alpine Pearls, auf die Frage, welche Zukunfts-Visionen sie in Bezug auf die Alpine Pearls hat:
„Ein Wachstum in Bezug auf Qualität – nicht Quantität. Wir würden uns circa zehn weitere, wirklich ambitionierte Urlaubsorte im Alpenraum als Mitglieder wünschen! Wir wollen in Zukunft unsere Mitgliedsorte bestärken auf ihrem Weg in eine nachhaltige Tourismus-Zukunft – durch besonders hervorragende Leuchtturmprojekte zum Klimaschutz im Urlaub.“

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Dipl.-Geogr. Willi Seifert, Geschäftsführer Naturparkbetreuung Zillertaler Alpen, auf die Frage, welche Ziele er mit dem Park für die Zukunft hat.

„Das große Ziel eines Schutzgebiets muss es immer sein, den Weg in die Köpfe und zugleich Herzen der einheimischen Bevölkerung und traditionellen Nutzergruppen des Gebiets zu finden. Das ist ein langer Weg – aber der einzige Weg, eine echte „Bodenhaftung“ herzustellen. Für alle Besucher des Hochgebirgs-Naturparks hoffen wir langfristig noch mehr Bausteine für ein authentisches und qualitativ hochwertiges Natur- und Landschaftserlebnis etablieren zu können. Unser Motto ist: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen – Hochgebirge zum Anfassen. Das galt im Endeffekt schon für die Bergsteiger, die ab 1850 ins hintere Zillertal geströmt sind…“

Die Mitgliedsorte der Alpine Pearls
Deutschland
Bad Reichenhall/Berchtesgaden
Frankreich
Les Gets
Pralognan-la-Vanoise
Termignon 
Italien
Ceresole Reale
Chamois
Cogne
Deutschnofen
Forni di Sopra
Karneid-Steinegg
Limone Piemonte
Moena
Moos
Pragelato
Ratschings
Tiers
Valdidentro
Villnöß
Welschnofen
Österreich
Hinterstoder
Mallnitz
Neukirchen am Großvenediger
Werfenweng
Weissensee
Slowenien
Bled
Schweiz
Arosa
Disentis Muster
Interlaken

Verpackung – Muss das sein?

Hand auf´s Herz: Wieviel Hangtags lesen Sie sich durch? Wieviel Augenmerk schenken Sie Schuhkartons und anderen Umverpackungen? Nichtsdestotrotz glauben Industrie und Handel ohne diese aufwendig gestalteten Umverpackungen nicht wettbewerbsfähig zu sein. Zum Glück gibt es ein paar Vorreiter, die entsprechend der EOG-Standards neue Maßstäbe setzen.

Text: Almut Otto, Fotos: divers

„Die Industrie legte sich zunächst einmal selbst Richtlinien in Bezug auf nachhaltige Verpackungen auf“, erklärt Matthias Basedow, Marketing und Kommunikations Manager bei der European Outdoor Group (EOG) die Entstehung der EOG-Standards in Bezug auf Umverpackungen. Immerhin erkannte das Nachhaltigkeitskommittee des Verbands die zuvor zusammen mit den Fachleuten aus der Industrie erstellten Leitlinien zum Thema Verpackungen im Jahre 2010 an. „Manch einer hätte sich noch konkretere Vorgaben gewünscht, wenn man aber die großen Unterschiede bedenkt, die von Produkt- und Unternehmensseite , sowie ortsbezogenen Vorschriften geprägt sind, sind wir davon überzeugt, eine gute Basis geschaffen zu haben. Ein guter Anfangspunkt um das Thema anzugreifen.“

Doch was macht eine nachhaltige Verpackung aus? Am besten wäre natürlich, wenn sie gar nicht erst existiert. Ganz ohne Verpackung ist aber kaum ein Produkt im Transport, bei der Lagerung und im Verkauf denkbar. Darum heißt es zunächst: Verpackungsmaterialien und -größen minimieren. Außerdem sollte das Material wiederverwertbar oder zumindest recyclebar sein. Dementsprechend gilt es, giftige Substanzen wie Klebstoffe etc. zu vermeiden und nur nachhaltige Materialien zu verwenden. Sofern Papier oder Pappe die Umverpackung ausmachen, sollten diese sinnvollerweise aus recyceltem Material bestehen oder zumindest von zertifizierten Betrieben (FSC, ota oder die ISO Norm 14021) stammen. Und beim leidigen Thema Plastik ist auf PVC sowie Materialkombinationen zu verzichten. Zwar sind sich die großen Spieler des Marktes der Bedeutung von umweltfreundlichen Verpackungen bewusst, doch hat eine Umsetzung bis dato nur bei wenigen begonnen.

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Der US Hersteller Keen ist Vorreiter in Bezug auf Verpackungsreduzierung. Foto: Keen

Vorreiter in der Minimierung von Verpackungsmüll ist das US-Unternehmen Keen, das aufgrund seiner Firmenphilosophie schon bei der Gründung 2003 auf Hangtags verzichtet hat. Relevante Informationen wie Modellbezeichnung, Größenangaben usw. wurden kurzerhand mit Soja basierter Farbe auf die – natürlich aus 100 Prozent recyceltem und biologisch abbaubaren Material bestehenden – Pappkartons gedruckt. Versteht sich von selbst, dass die Kartons durch Wasser basierte Klebstoffe zusammengehalten werden. Dank 25 Prozent Gewichtsreduzierung wird zudem ein effizienterer Versand erreicht.

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Beim französischen Hersteller Petzl protestierte der Handel, als Umweltverpackungen eingeführt wurden. Foto: Petzl

Beim französischen Outdoorausrüster Petzl hat die Umstellung auf nachhaltige Verpackungen circa ein Jahr gedauert. Dabei nahm sich das Unternehmen im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie selbst unter die Lupe. Ziel in Bezug auf Verpackungen lautete: Das Produkt schützen, es im Handel attraktiv präsentieren aber gleichzeitig die Umwelt schonen. Tatsächlich musste Petzl seine biologisch abbaubaren, nur aus Kartoffelstärke bestehenden Stirnlampenverpackungen nach kürzester Zeit wieder mit Pappe ummanteln und den Plastikanteil erhöhen. Der Handel hatte sich nämlich beschwert, dass diese zu empfindlich seien und beim mehrmaligen Öffnen zerbrechen würden. Immerhin wurde akzeptiert, dass Petzl die meiste Hartware wie z.B. Karabiner, Sicherungsgeräte, Eisschrauben und Eispickel unverpackt ausliefert. Und noch viel geschickter ist die Lösung, Steigeisen oder Klettergurte in kleinen Beuteln, die anschließend als Aufbewahrungs- bzw. Schutzbeutel dienen können, in den Handel zu liefern. Vielleicht der richtige Schritt in die Verpackungszukunft ? – Denn ob Sommer- oder Winterlagerung oder spätestens beim Umzug in ein neues Heim weiß jeder Verbraucher eine wiederverwertbare Schutzhülle sehr zu schätzen.

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Matthias Basedow, Marketing und Kommunikation der European Outdoor Group, zu dem Thema, worin die Schwierigkeiten liegen, auf nachhaltige Verpackung umzusteigen. Foto: EOG

„Es ist gut zu sehen, dass immer mehr Firmen das Thema angehen, da es momentan nicht eine Lösung für alle geben kann. Es gibt keine klare Abgrenzung, was richtig oder falsch ist. Mechanismen wie Gesetzgebung, Versand und Recycling sind auf der ganzen Welt unterschiedlich. Hinzu kommt, dass die Kontrolle von Firmen begrenzt ist. Um zwei einfache Beispiele zu nennen: Eine dünnere Verpackung mag im Geschäft vor Ort Sinn machen, wenn aber dann das Produkt durch den Versandhandel verschickt wird, ist eine zusätzliche Verpackung nötig. Auch ist die Art und Weise, wie Verpackungsmaterial getrennt und recycelt wird weltweit unterschiedlich. So kann die Verpackung in einem Land gewissenhaft getrennt und zu einem Wertstoffhof gebracht werden, in einem anderen Land wird sie einfach verbrannt.“

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Perry Laukens, Marketing Manager EMEA, Keen Europe Outdoor B.V zur nachhaltigen Unternehmensphilosophie von Keen. Foto: Keen

„Das KEEN-Mantra „HybridLife“ steht für das Engagement, immer wieder neue Lösungen für Herstellungs- und Geschäftsprozesse zu finden und für die Selbstverpflichtung, sowohl für die Mitmenschen als auch für die Umwelt Verantwortung zu übernehmen. Dass nachhaltige Verpackungen dabei ein wichtiges Element einer möglichst umweltschonenden Wertschöpfung sind, versteht sich von selbst. Unsere Kartonagen werden deshalb aus wiederaufbereiteten und zu 100% biologisch abbaubaren Materialien gefertigt.

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Nils Beste, Marketingkoordinator Deutschland bei Petzl, zum Thema Verpackungspolitik bei Petzl. Foto: Nils Beste

 

„Petzl setzt bewusst besonders umweltfreundliche Verpackungen für seine Produkte ein. Grundsätzlich reduzieren wir in einem ersten Schritt die Verpackung unserer Produkte auf das Nötigste. In einem zweiten Schritt versuchen wir für die absolut notwendige Verpackung zunächst so viele Elemente wie möglich aus wiederverwertbaren Materialien wie Papier, Pappe und vor allem kompostierbarer Kartoffelstärke herzustellen. Umweltfreundliche Verpackung bedeutet deswegen für Petzl, dass sie zunächst einmal minimal ausfällt und zudem aus wiederverwertbaren Materialien und möglichst wenig Plastik besteht. Zudem sollte aber auch ein etablierter Recyclingkreislauf existieren. Auch die umweltfreundlichste Verpackung macht keinen Sinn, wenn sie in der Müllverbennungsanlage landet.“ 

Aufmacher: Vaude-Hangtags liefern Informationen über ökologische Standards der Produkte. Foto: Vaude

 

Nachhaltige Skigebiete – Ein Widerspruch per se?  

Profitorientierter Eingriff in die Natur, hoher Energie- und Wasserverbrauch sowie optische Schandflecken am Berg: Skifahren ist vielen Umweltschützern ein Dorn im Auge. Doch die Zeiten ändern sich! Immer mehr Skigebiete legen auf Nachhaltigkeit wert.

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Verständlich, dass kaum einer diesem Spaß widerstehen kann! Foto: Alpachtal

 

Text: Almut Otto, Fotos: divers

2-Skifahrer_Truppe_am_Hüttendach_Alpbach-klein„Die meisten Skigebiete setzen in Bezug auf Umweltfreundlichkeit auf Sensibilisierungsmaßnahmen wie die Beschilderung von Schutzzonen oder eine nachhaltige Anreise“, weiß Katharina Conradin, Präsidentin CIPRA International, zu berichten, „doch auch die Installation von Solarpanels zur Stromproduktion für Liftanlagen wie in Golm bei Montafon oder im Zillertal können die Umweltbilanz eines Skigebietes verbessern.“ Conradin sieht aber auch den Wiederspruch, den Skifahren und Umweltfreundlichkeit mit sich bringen. Doch immerhin nennt sie fünf Kriterien, die die Existenz eines Skigebiets in ausgewählten Regionen rechtfertigen. Schließlich will keiner auf das Skifahren verzichten. Ein wesentlicher Faktor ist die Größe. Je größer das Gebiet, desto mehr internationale Kundschaft wird angelockt und desto mehr Energie wird bei der An-/Abreise verbraucht. Deshalb gilt: je kleiner, je nachhaltiger. Desweiteren sorgt hohe Schneesicherheit für weniger Kunstschneeproduktion, was wiederum Energie- und Wasservorräte schont. Wird das Skigebiet in die Landschaft eingebettet und somit auf Geländemodellierungen sowie Speicherseen verzichtet, deutet dies auch auf Umweltfreundlichkeit hin. Wichtig ist zudem, dass keine Schutzgebiete tangiert werden. Dies müssen sich vor allem Freerider zu Herzen nehmen. Letztendlich sollte ein Skigebiet wirtschaftlich tragbar sein, die regionale Wirtschaft stützen und auf staatliche Subventionen verzichten.

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Skifahren mit Bedacht. Foto: Alpbachtal

ALPACHTAL – FORSCHUNGSZENTRUM FÜR NACHHALTIGEN TOURISMUS

Vorzeigeprojekt in Bezug auf Nachhaltigkeit ist das Alpachtal: Im April 2014 wurde es Forschungszentrum für nachhaltigen Tourismus im Alpenraum. Drei Jahre sollen unter dem Namen Mount++ neben der umweltverträglichen Nutzung des Skigebiets auch intelligente und praxisnahe Lösungen zur Energie- und Ressourceneinsparung gefunden werden. Im Fokus stehen dabei etablierte Lösungen wie umweltfreundliche Fortbewegung. Zudem ist ein Großteil der Hotellerie und Gastronomie nachhaltig aufgestellt. „Die Alpbacher Seilbahnen sind aktive Partner in dem Projekt Mount++ und bestrebt, mit modernster Technik energieeffizient und nachhaltig zu arbeiten“, erklärt Dr. Paul Stampfl, wissenschaftlicher Leiter des Projekts Mount++, „das gilt für die Pistenpräparierung mit Geräten, die mit dieselelektrischem Antrieb arbeiten genauso, wie für die Beschneiung mit Naturdruckgravitation.“

KURVENPATEN, ENERGIETEPPICH UND RENATURIERUNG

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Mitmachen lohnt: In Arosa, können Skifahrer durch Aufwärmtraining auf einem Energieteppich, Energie für die Bergbahnen produzieren. Foto: Aros

Auch der Schweizer Skiort Arosa kann nachhaltiges Engagement vorweisen: Wer die Patenschaft für eine der 360 Kurven zwischen Chur und Arosa übernimmt unterstützt den Arosa Ökofonds, Leistungsträger im Dorf nutzen hauptsächlich Produkte aus der Region und neben dem Energieteppich organisieren die Arosa Bergbahnen mehrere Aufräumtage mit der Primarschule. Das Wintersportgebiet Arosa Lenzerheide fördert unter dem Motto „Mein Skiticket ist auch ein ö.V. Billett“ zudem den öffentlichen Verkehr. Freerider dürfen sich auf Checkpoints mit Informationen über Lawinensituationen und -gefahren sowie Hinweisen zum nachhaltigen Umgang mit der Umwelt freuen.

Der Stubaier Gletscher setzt vor allem auf energiesparende Maßnahmen wie Anpassung der Seilbahngeschwindigkeit, Energierückgewinnung, Nutzung von Abwärme, Lüftungssteuerung und Aufzeichnung der Energieverbräuche. Im Sommer schützt eine großflächige Vliesabdeckung den Gletscher vor dem Abschmelzen. Vor Ort zeichnet sich besonders der Jagdhof durch sein nachhaltiges Wirtschaften mit zum Teil eigenen Produkten aus.

Im Zweifelsfall kann es aber auch vorkommen, dass ein nicht mehr tragbares Skigebiet renaturiert wird. So geschehen am Gschwender Horn bei Immenstadt im Allgäu. Aus dem Skigebiet mit Liftanlagen und Pistenflächen wurde innerhalb von vier Jahren ein ansehnliches Wander-, Erholungs- und Naturgebiet.

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Die Mayerhofner Bergbahen setzen auf Energie durch Solarenergie. Foto: Mayrhofen

LINKSAMMLUNG ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT VON SKIGEBIETEN:

Zertifizierungssystem von Skigebieten der Stiftung Pro natura

Initiative „Respektiere deine Grenzen“

Französische Auszeichnung Flocon Vert

Veröffentlichungen von CIPRA – Leben in den Alpen: Umweltzertifizierung von Skigebieten

Grüner Wintersport

Sustainable Sports